Interview with Otso Huopaniemi on Kulturradiorbb

Otso Huopaniemi – finnischer Theaterautor und Performer

13.11.2015 | 04:58 Min. | Verfügbar bis 21.11.2015 | Quelle: Kulturradio vom rbb

Wer versucht, etwas im Internet übersetzen zu lassen, wundert sich oft, was dabei für ein Kauderwelsch herauskommt. Der Finne Otso Huopaniemi hat daraus eine Theaterperformance entwickelt: “(love.abz)³” ein Projekt, dass 13.11.-17.11.2015 im Theaterdiscounter zu sehen ist. Andrea Handels hat Otso Huopaniemi getroffen.

Im goldenen Ticket in Roald Dahls Charlie and the Chocolate Factory da steht:” in your wildest dreams you could not imagine that such things could happen to you”. Ich habe das mal in einen Internetübersetzer eingegeben und das kommt dann raus: „In Ihren kühnsten Träumen, konnte man sich nicht vorstellen, dass solche Dinge, könnte Ihnen geschehen.“ Ok inhaltlich ist man dran. Der Rest? Naja ist doch so: fast immer kommt mehr oder weniger Kauderwelsch aus diesen Übersetzungsmaschinen. Das hat den Finnischen Theaterautor und Performer Otso Huopaniemi sehr inspiriert und zu einer Reihe von Performances gebracht. „Love.abz“ heißt das Projekt. Und das feiert heute in Berlin seine letzte Premiere.

Andrea Handels ist den Ursprüngen des Projektes mal nachgegangen.

Andrea Handels: Am Anfang stand eine unglückliche Liebesgeschichte. Seine unglückliche Liebesgeschichte.

Otso Huopaniemi hatte an der Theaterakademie in Helsinki gelernt, den Stoff für seine Stücke aus seinem Leben zu schöpfen. Autobiographisches Schreiben. Und er hatte gerade eine große Enttäuschung erlebt.

Otso Huopaniemi: es war ganz schwierig dieses Stück zu schreiben. Weil es war eigentlich ganz schmerzhaft diese ganze Geschichte und frustrierend.

Andrea Handels: Eher spielerisch gab er den Text in ein Übersetzungsprogramm ein und war vom englischen Ergebnis frappiert.

Otso Huopaniemi : Es hat nicht nur die Oberfläche von diesem Text verändert. Sondern: in Finnisch gibt es ein Pronomen, das ist geschlechtsneutral und google-Translate hat das gar nicht verstanden. Es ist so: es hat das in jeder Szene anders übersetzt. Und das hat die ganze Geschichte, dieses ganze Liebesdreieck verändert. So es waren gar nicht zwei Männer und eine Frau sondern manchmal drei Frauen oder drei Männer oder zwei Frauen und ein Mann. So es war irgendwas ganz anderes.

Andrea Handels: Und dieses andere, eigene hat ihn inspiriert, mit den Übersetzungsprogrammen weiterzuarbeiten. Sie zu seinem Theaterthema zu machen. Inzwischen ist Otso Huopnaiemi 39 Jahre alt und Familienvater. Ein blasser, schmaler Mann. Er ist in New York und Helsinki aufgewachsen. Hat auch in beiden Städten studiert. Jetzt lebt er seit 4 Jahren in Berlin. Für einen der mit Sprache arbeitet eine Herausforderung.

Otso Huopaniemi: Ich habe ein ganz schlechtes Verständnis für deutsche Grammatik. Aber ich verstehe ganz viel. Ich höre Radio viel. Und meine Freundin ist Deutsche und spricht Deutsch mit unserer Tochter. Es ist diese graue Zone irgendwie, wo wir verstehen und benutzen: Aber ich habe nicht die Kontrolle über die deutsche Sprache. Obwohl ich das benutze.

Andrea Handels: Seit 5 Jahren beschäftigt Otso Huopaniemi sich ausschließlich mit seinem Projekt „love.abz“

Bringt Performer aus unterschiedlichen Ländern zusammen auf die Bühne. In den USA, England, Finnland und Deutschland. Es ist eine Mischung aus Schauspiel, live Schreiben und Interaktion mit den Computern, die die Zuschauer erleben. Die Performer sprechen in Mikrophone. Mittels Sprachsoftware werden die Texte aufgenommen, übersetzt und projiziert:

Otso Huopaniemi: es ist heutzutage so schnell und ganz einfach verschiedene textuelle Prozeduren zu machen im Internet. Aber wir wissen manchmal eigentlich gar nicht, was eigentlich da passiert. Und die Maschine versteht Sprache ganz anders als wir. Aber ich glaube, für Theater und Performance gibt es dieses Loch zwischen Sinn und Sinnlosigkeit. Das ist ganz fruchtbar.

Andrea Handels: Jetzt bei der Berliner Performance werden 10 Performer in 10 verschiedenen Sprachen agieren. Mehr als je zuvor. Dazu kommen fünf Netzstationen. Diese Aufführung soll Höhepunkt und zugleich Endpunkt von Otso Huopaniemis „love.abz“ Serie sein. Und wenn die abgespielt ist: was kommt dann?

Otso Huopaniemi: ich habe die Idee für eine Solo Performance. Ich würde das gerne machen. Und das hat auch mit Schreiben und Text zu tun. Aber nur 1 Person auf der Bühne. Das ist wieder ein anderer Blick auf die gleichen Probleme. Ich glaube ich muss immer mit Sprachen und Text arbeiten. Aber in verschiedenen Konstellationen und Kontexten. Das ist meine Arbeit. Und ich habe ziemlich viel zu tun.

Andrea Handels: Klar, dass auch seine Doktorarbeit, die er gerade parallel zu seiner Dozententätigkeit an der Theaterakademie in Helsinki schreibt sich mit diesem Thema beschäftigt. Ihr Titel: „von Maschinen übersetzt – Mein Stück zwischen den Sprachen.“